Wie viele Kilometer sollte eine schöne Tagestour eigentlich haben?
200 Kilometer? 300? Oder dürfen es auch 400 Kilometer sein?
Klar, moderne Maxi-Scooter wie TMAX oder Forza schaffen locker hunderte Kilometer. Aber „können“ und „wollen“ sind zwei verschiedene Dinge. Bei einer gemeinsamen Tour geht es nicht um den Tacho-Rekord, sondern um den Spaß, die Gemeinschaft und die Sicherheit.
Der ADAC nennt zwar Obergrenzen für Tagesetappen (z. B. 350 km auf Landstraßen oder 250 km im Gebirge), doch das sind Maxima bei idealen Bedingungen, keine Ziele. Hitze, Regen oder Verkehr kürzen die Strecke entsprechend. Das gilt auch für uns Scooter-Fahrer – auch wenn wir bequemer sitzen, lässt die Konzentration trotzdem nach. Zudem bedeuten 350 km mit Ampeln und Pausen schnell sieben bis acht Stunden Zeitaufwand. Mein Rat: Plant Touren lieber in Stunden als in Kilometern.
Was zu zweit klappt, dauert mit 20 Leuten ewig. Tankstopps, Toilettenpausen und das Sammeln an Ampeln kosten Zeit. Der ADAC sieht Gruppen bis zehn Personen als unproblematisch an; bei größeren Gruppen ist eine Aufteilung sinnvoll.
Für 10 bis 20 Teilnehmer empfehle ich daher 180 bis 220 Kilometer. Das ist die ideale Größe für einen entspannten Tag. Bei einer kleinen, erfahrenen Gruppe können es 250 km sein, bei sehr kurvigen Strecken reichen oft schon 180 km für ein erfülltes Erlebnis.
Die „Zwei-Stunden-Regel“ aus dem Auto ist für Zweiräder oft zu lang. Ich empfehle kurze Pausen alle 60 bis 90 Minuten. Und: Ein echter Stopp bedeutet Absteigen und Bewegen, nicht nur kurz tanken. Dass Fitness und Erfahrung mehr zählen als das reine Alter (so das ifz), ist schön und gut – dennoch planen wir so, dass wirklich jeder entspannt mithalten kann.
Wenn die Konzentration sinkt und man sich nur noch durch die letzten 80 km „beißt“, ist die Tour zu lang. Wir müssen nichts „durchziehen“. Mir ist völlig egal, ob es am Ende 187 oder 301 Kilometer waren. Hauptsache, wir hatten Zeit für einen Kaffee, gemeinsamen Spaß und kommen alle sicher heim.
Eine gute Tour endet nicht mit „Endlich geschafft!“, sondern mit: „Schade, schon vorbei!“
Quellen
ADAC: Empfehlungen zur Streckenlänge und zu Pausen bei Motorradtouren
ADAC: Empfehlungen zum Motorradfahren in Gruppen
Institut für Zweiradsicherheit (ifz): Untersuchungen zur körperlichen und psychischen Belastung beim Motorradfahren
Moin Uwe, eine sehr schöne Ausarbeitung über das Thema Pausen und Strecke. Ich kann dir 100%ig Recht geben (was ich ja nicht immer kann 🙂 ) Ferner sollte man auch die Raucher berücksichtigen, bei denen der Entzug und die nachlassende Konzentration zusammenkommen, also doppelte Gefahr. In diesem Sinne, mach weiter so. Martin
Moin Martin, Danke für Deinen Kommentar! Und ein Blog lebt ja gerade von verschiedenen Meinungen. Raucher sind bei einigen Gruppen tatsächlich, und Gott sei Dank, die Taktgeber für Pausen. Was für den einen eine Not ist, ist für die meisten eine Tugend. Nämlich Pause zu machen! Danke fürs mitlesen! 🙂