Toleranz heißt nicht Beliebigkeit

„Wer nicht grüßt, ist respektlos.“

Solche und ähnliche Aussagen begegnen mir immer wieder in Blogs, Vlogs und Diskussionen rund um Motorrad, Motorroller, Dreirad, Trike oder Quad.

Dahinter steckt häufig ein für mich interessanter Wunsch: Man möchte von einer anderen Community – altdeutsch schlicht Interessengruppe – unbedingt anerkannt und respektiert werden.

Aber warum eigentlich?

Warum muss ich zum Beispiel als Motorrollerfahrer unbedingt von irgendeinem Motorradfahrer als „Biker“ akzeptiert werden?

Ich fahre Motorroller. Sehr gerne sogar. Dafür brauche ich weder eine andere Bezeichnung noch die Anerkennung einer anderen Fahrzeuggruppe.

Natürlich kann ich mit Motorradfahrern an einem Hotspot – altdeutsch Treffpunkt – zusammenstehen, einen Kaffee trinken, über Touren reden und gemeinsam lachen.

Oder auch nicht.

Beides ist für mich völlig in Ordnung.

Denn Respekt und Zugehörigkeit sind zwei verschiedene Dinge.

Respekt bedeutet für mich nicht nur, andere Menschen und ihre Fahrzeuge anzuerkennen. Respekt bedeutet genauso, die Grenzen anderer zu akzeptieren – auch wenn man diese Grenzen persönlich nicht teilt.

Wenn jemand nicht mit einem Motorroller zusammen fahren möchte: Okay! Damit habe ich überhaupt kein Problem.

Ich selbst fahre am liebsten mit Motorrollern zusammen. Auch bei den Alster-Rollern haben wir uns ganz bewusst als Motorroller-Gemeinschaft definiert. Zwei- und Dreiradroller gehören dabei für mich selbstverständlich zusammen.

Warum diese Abgrenzung? Ich möchte einfach keine Beliebigkeit!

Ich möchte Motorroller fahren – gemeinsam mit Menschen, die genau diese Leidenschaft teilen.

Andere können das vollkommen anders sehen und ihre Gruppen für Motorräder, Trikes, Quads oder gleich für alles öffnen. Wenn sie sich damit wohlfühlen, ist das doch wunderbar.

Ich möchte es für mich anders.

Identität entsteht für mich nicht nur dadurch, wer dazugehört, sondern zwangsläufig auch dadurch, was eine Gruppe nicht sein möchte.

Und damit bin ich wieder bei Grenzen und Respekt.

Niemand käme ernsthaft auf die Idee, einer reinen Frauen-Motorradgruppe vorzuwerfen, Männer „auszugrenzen“, weil sie unter sich fahren möchte. Und wer sich mit seinem Neufahrzeug einer Oldtimer-Ausfahrt anschließen möchte, wird ebenfalls verstehen müssen, dass dort bestimmte Voraussetzungen gelten.

Warum sollte dieses Prinzip bei Motorrollern plötzlich etwas mit mangelnder Toleranz zu tun haben?

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, wer wen grüßt, wer sich „Biker“ nennen darf und von welcher Community wir unbedingt anerkannt werden möchten.

Ich jedenfalls brauche diese Anerkennung nicht.

Ich fahre Motorroller. Ich respektiere Menschen, die etwas anderes fahren. Und ich erwarte umgekehrt Respekt für meine Entscheidung, mich ganz bewusst abzugrenzen und mit Gleichgesinnten Motorroller fahren zu wollen.

Toleranz heißt für mich nicht Beliebigkeit.

Und Respekt bedeutet auch, Grenzen zu respektieren.

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