Die Zweiradbranche in Deutschland steckt in einer Krise. Die Zahlen sind eindeutig, die Händler schließen, der Rückgang von über 35 Prozent lässt sich nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig ist es zu einfach, die Verantwortung ausschließlich bei „dem Markt“ oder „den Kunden“ abzuladen. Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen. Und sie ist für beide Seiten unbequem.
Auf der einen Seite steht eine Branche, die sich preislich und strategisch zunehmend von ihrer Basis entfernt hat. Führerscheine sind teuer geworden, Neufahrzeuge bewegen sich in Regionen, die für viele Fahrer nicht mehr realistisch sind. Modellpolitik und Marketing richten sich häufig an Idealbildern aus, nicht an dem, was draußen tatsächlich gefahren wird. Wer das ignoriert, darf sich über Kaufzurückhaltung nicht wundern.
Auf der anderen Seite stehen wir Fahrer. Erfahrener, kritischer, rationaler als früher – und deutlich investitionsärmer. Viele von uns fahren aus Überzeugung das, was sie haben. Das ist nachvollziehbar, vernünftig und persönlich absolut legitim. Für einen Markt jedoch, der von Innovation, Entwicklung und Vertrieb lebt, ist dieses Verhalten auf Dauer nicht tragfähig.
Hinzu kommt der Blick nach Fernost. Technisch haben chinesische Hersteller längst aufgeholt. Ausstattung, Leistung und Preis sind konkurrenzfähig, teilweise sogar richtungsweisend. Doch ohne verlässliche Vertriebs- und Servicenetze bleibt Vertrauen auf der Strecke – und damit der Durchbruch. Auch hier gilt: Angebot allein schafft noch keinen Markt.
Der Kern des Problems ist kein einzelner Faktor, sondern ein gegenseitiger Stillstand. Die Branche wartet auf kaufwillige Kunden, die Kunden warten auf bezahlbare, glaubwürdige Angebote. Beide Seiten sichern sich ab – und blockieren sich damit gegenseitig.
Die Wahrheit lautet deshalb:
Der Markt braucht wieder Nähe. Nähe zu den realen Fahrern, ihren Bedürfnissen, ihrem Budget – und ihrem Vertrauen.
Und wir Fahrer müssen akzeptieren, dass Leidenschaft allein keine Händler, keine Werkstätten und keine Weiterentwicklung finanziert.
Wenn sich etwas bewegen soll, müssen sich beide Seiten bewegen. Nicht radikal, nicht blind – aber ehrlich.
Denn eines ist sicher:
Ein Markt, der nur noch verwaltet wird, stirbt.
Und eine Szene, die nur noch bewahrt, ebenfalls.


