Motorradunfälle: Warum man so selten von Motorrollern liest

Ich lese ab und zu Unfallberichte. Nicht aus Morbidität – eher weil mich interessiert, wie etwas passiert. Und irgendwann fällt einem auf: Da ist ein Muster.

Zu schnell in die Kurve. Kontrollverlust. Riskantes Überholen. Auffahrunfall in der Gruppe. Oder einfach eine Situation, die in Sekunden kippt – weil die Geschwindigkeit eine war, die für diesen Belag, diese Kurve, diesen Moment schlicht nicht gepasst hat. Immer wieder. Fast immer dasselbe. Und fast immer: ein Motorrad.

Interessant dabei: Mehr als die Hälfte dieser schweren Unfälle sind Alleinunfälle. Kein Gegenverkehr, kein Auffahrer, kein Fremdverschulden. Der Fahrer, die Maschine – und eine Situation, die eskaliert ist. Die Physik macht keine Ausnahmen.

Von Rollern liest man das kaum. Das ist mir wirklich aufgefallen. Nicht einmal, sondern immer wieder.

Weserbergland 2025

Faszination Beschleunigung – und was sie kostet. Es gibt da etwas, worüber nicht so gerne geredet wird. Aber ich finds wichtig.

Viele Motorradfahrer, die schwer verunglücken, sind keine Anfänger. Manche fahren seit Jahren. Aber irgendwann kommt der Punkt: Die Maschine wird größer. Mehr Hubraum. Mehr PS. Weil man es sich leisten kann, weil man glaubt, man ist bereit – oder weil die Faszination einfach stärker ist als der Verstand. Und dann sitzt da jemand jenseits der 50 auf einer Maschine, die in drei Sekunden auf 100 ist. Die Augen leuchten. Das Herz macht was mit einem.

Das kenn ich. Das Gefühl kennt eigentlich jeder, der mal Gas gegeben hat. Aber mit 55 reagiert man anders als mit 30. Die Reflexe. Die Einschätzung. Das Selbstbild. Und die Maschine kümmert das nicht. Die wartet nicht. Die verzeiht nichts. Zu viel PS, zu viel Gewicht, zu wenig ehrliche Selbsteinschätzung – das taucht in den Statistiken auf. Nicht als Randnotiz, sondern als echter Faktor.

Roller fahren ist anders. Ich sage das nicht von oben herab. Ich fahre selbst einen TMAX 560. Kein Spielzeug, aber auch keine Rennmaschine. Und ich merke bei unseren Touren mit den Alster-Rollern: Die Leute fahren anders. Entspannter. Nicht weil sie weniger können – sondern weil sie weniger beweisen wollen.

Schwalbe und TMax 560, Aschberg, 2025

Rollerfahrer sind oft ein bisschen älter, ein bisschen pragmatischer. Touren statt Trackday-Feeling. Landschaft statt Schräglagenrekord. Ankommen statt auffallen. Das klingt vielleicht bieder. Ist es aber nicht. Es ist einfach eine andere Priorität.

Was Sicherheit wirklich bedeutet. Sicherheit kommt nicht von besserer Technik. Die hilft. Aber sie ersetzt nichts. Sie kommt davon, ehrlich zu sich selbst zu sein. Zu wissen, was man wirklich kann. Was die Situation verlangt. Was passiert, wenn man sich irrt. Wer Reserven lässt – in der Geschwindigkeit, im Abstand, im Kopf – ist kein schlechter Fahrer. Oft ist er der bessere. Und wer fünf Minuten später ankommt, aber ankommt – der hat an dem Tag alles richtig gemacht.

Vielleicht liest man deshalb so selten von Großrollern in den Schlagzeilen. Das darf gerne so bleiben.

Kommt bitte immer unfallfrei an!

Jetzt mal die Meinung sagen! Hat Dir dieser Artikel gefallen?